Vereinsgeschichte

Vorwort

 


⇐ Die wichtigsten Ereignisse in der Vereinsgeschichte:

 

Zur Zeit der napoleonischen Kriege begründete Friedrich Ludwig Jahn das Turnen.
Es dauerte aber dann noch 40 Jahre, ehe sich mündige Bürger zu Wort melden und in Turnvereinen betätigen konnten.
In Gmunden hieß dieser Bürger Theodor Ortner, von Beruf Eisenbahnbeamter. Er setzte im März 1861 eine Subscriptionsliste in Umlauf, die mit 60 Unterschriften zurückkam.
Die Vereinsgründung wurde am 11. August 1861 von der O.Ö. Statthalterei genehmigt und erfolgte im Gasthof Zum Anker (Kammerhofgasse 7).
Der Verein bestand zunächst aus 12 ausübenden und 31 unterstützenden Mitgliedern.

1970er-2007

 

In den 1970er u. 1980er-Jahren wurden auf Grund der besseren Finanzlage des Vereines die Räumlichkeiten in der Wunderburg verschönert und die Außenanlagen neu gestaltet, sowie 2 Tennisplätze gebaut.

Es wurden neue Abteilungen wie Turnen mit Mutter und Kind, Faustball, Tennis, sowie das Aufstellen eines Maibaumes ins Leben gerufen.

 

1986

Ein bewegtes Jahr. 125 Jahre Turnverein Gmunden. Auf Anregung des Ehrenmitgliedes Tbr. August Forstinger wurde eine außerordentliche Hauptversammlung für eine Namensänderung des Vereines einberufen. Das Gründungsjahr 1861 wurde dem Namen Turnverein Gmunden beigefügt und durch Bescheide der O.Ö. Sicherheitsdirektion rechtskräftig.

Die Feiern 125 Jahre wurden auf das ganze Jahr aufgeteilt. Ein 10-Kampf mit Schilauf, Langlauf, Schwimmen, Gewehrschießen, LA Dreikampf, Bergwandern, Geräteturnen wurde abgehalten. Ein offenes Singen und als Höhepunkt ein Schauturnen in der Bezirkssporthalle.

Durchführung des Bundesjugendtreffens des ÖTB mit über 70 Vereinen und 1500 jugendlichen Teilnehmern. 80 Vereinsmitglieder des Turnvereines waren 6 Tage im Einsatz.

Durchführung des 12. O.Ö. Landesturnfestes in Gmunden mit 54 Vereinen 2300 Teilnehmern, davon 700 Jugendlichen und ca. 150 freiwilligen Helfer aus dem Verein.

Jubiläumsveranstaltung auf der Wunderburg anlässlich 140 Jahre Turnverein Gmunden

Generationswechsel in der Vereinsführung. Tbr. Dipl. Ing. Hans Hernler übergibt nach 30 Jahren Obmann an Tbr. Gernot Gföllner.

 

2007 Frühjahr

Beschluss des Turnrates eine umfassende Renovierung durchzuführen, besonders im Hinblick auf Heizung und Wärmedämmung

2007 Herbst

Baubeginn, nach Sicherung der Finanzierung und Förderungen. Das vorrangige Ziel hat andere Änderungen und Nachbesserungen nach sich gezogen. Erwähnt sei die großzügige Unterstützung der Stadtgemeinde unter Bürgermeister Heinz Köppl. Sehr erfreulich ist der aufwändige (ehrenamtliche) Einsatz von etwa 30 Turngeschwistern. Ein Indiz, dass diese große Turngemeinschaft nach wie vor sehr vital ist.

1953-1970er

1953

Am 2. Oktober 1953 kam es zur Wiedergründung unter dem Namen Allgemeiner Turnverein Gmunden Den vorbereitenden Ausschuß leitete der Richter Dr. Josef Kindler. Der Verein unter der Leitung von Turnwart August Forstinger nahm einen steilen Aufschwung.

 

1956

Turnwart August Forstinger übernahm die Obmannstelle von Dr. Josef Kindler. Dieser wurde zum Ehrenobmann ernannt. Übernahme des Badeplatzes am Gschliefgraben.

Erstmalige Beteiligung Glöcklerlauf, sowie der Gauschitag am Gmundnerberg.

 

1959

Die langwierigen Bemühungen der Tbr. Dr.Josef Kindler u. Dr. Fritz Bodenstab haben sich gelohnt. Die Rückerstattung des Vereinseigentums erfolgte am 19. März.

Gründung des Spielmannszuges und erste Turnratssitzung auf der Wunderburg.

Der 100. Geburtstag 100 Jahre Turnen in Gmunden. Die Festveranstaltung erstreckte sich über 3 Tage. Übergabe der Vereinsfahne der älteren Generation an die Jüngere für das zweite Jahrhundert.

4. Gauturnfest in Gmunden mit 2500 Teilnehmer, 1000 Einzelwettkämpfer, 81 Vereinsmannschaften. Planungsbeginn des Neubaues der Wunderburg Tbr. Arch. Anton Ubl.

Baubeginn der Wunderburg.

Erstes Bergturnfest beim Wildensee.

Übernahme der Obmannstelle durch Tbr. Sepp Tandl von Tbr. August Forstinger.

Fertigstellung der Wunderburg und erste Lagerbelegung von 185 Personen. Maßgebliche Motore im Bauausschuß waren Tbr. Manfred Stolz u. Tbr. Sepp Tandl. Die Heimleitung wurde von dem Turnerehepaar Manfred u. Rosa Stolz übernommen.

Tbr.August Forstinger wurde der Ehrenturnwart verliehen. Die erste Jahnwanderung wurde mit 10 Teilnehmern durchgeführt.

Erste Hauptversammlung nach der Wiedergründung im Wunderburgturnsaal.

Übernahme der Obmannstelle durch Tbr. Dipl. Ing. Hans Hernler.

Schauturnen des Turnvereines im Stadttheater anläßlich des 25-Jahr-Jubiläums nach Wiedergründung und 700 Jahrfeier der Stadt Gmunden.

1864-1939

 

1864

In diesem Jahr betrat der Verein den traditionsreichen Boden der Wunderburg und es wurde ein Turnplatz errichtet. Weiters wurde bei der Gemeindevorstehung die Gründung einer freiwilligen Feuerwehr beantragt und ein Ansuchen an den Hohen Landtag in Linz gerichtet, zwecks Einführung des Turnunterrichtes an öffentlichen Schulen.

Erstes Gauturnfest für OÖ u. Salzburg mit 9 Vereinen.

 

1869

Im April 1869 leitete der Vereinsturnlehrer Paul Kehl den ersten Turnunterricht für die 3. und 4. Bürgerschulklasse.

 

1898

Erste Ehrenmitgliedschaft an den Obmann und Turnwart Emil Mänhardt.

40 Jahr-Feier des Vereines. XI. Gauturnfest mit 22 Vereinen. Die Mitglieder stiegen auf ca. 200. Erster Auftritt einer Damenriege. Eine neue Fahne spendeten die Gmundner Bürgersfrauen.

 

1904

Mitgestalter der Schillerfeier (100. Todestag) Pflanzung der Schillerlinde auf der Esplanade.

Kauf der Wunderburg um 200 Mill. Kronen.

2. Kreisturnfest der Turnerinnen in Gmunden anläßlich 70 Jahrjubiläum, 57 Vereine u. über 1000 Turnerinnen.

 

 

 

1938/1939

Anschluss an Deutschland. Die Turnstätte auf der Wunderburg wurde gesperrt. Der Verein wurde enteignet und aufgelöst. Mit dem Schauturnen am 22.4.1939 beendete der Verein (vorerst) seine 78-jährige Tätigkeit.

 

 

 

 

 

Vereinsgeschichte in Buchform

150 Jahr Feier

 

Festprogramm 150 Jahr Feier

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Volkstanzfest

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Friedrich Ludwig Jahn

 

Das Turnen als gesellschaftliche Bewegung wurde von Friedrich Ludwig Jahn (1778 - 1852) zur Zeit der napoleonischen Kriege ins Leben gerufen.

Johann Friedrich Ludwig Christoph Jahn war am 11. August 1778 im Dorf Lanz bei Lenzen, Mark Brandenburg, als Sohn eines evangelischen Pfarrers geboren worden. Er hatte das Gymnasium zum Grauen Kloster in Berlin besucht und anschließend an den Universitäten Halle und Greifswald studiert. Dabei hatte er sich nach dem Willen seines Vaters zunächst der Theologie gewidmet, dann aber mehr der Geschichte und den Sprachen zugewandt. Die Begründung des Turnens fiel in eine Zeit, als Napoleon Preußen (1807) und Österreich (1809) besiegte. Friedrich Ludwig Jahn sah in den Leibesübungen eine körperliche Ertüchtigung der Jugend im Dienste der Befreiung Preußens aus der französischen Unterdrückung und einen Beitrag zur allgemeinen Volkserziehung. Im Jahre 1811 eröffnet er den ersten öffentlichen Turnplatz auf der Hasenheide bei Berlin.

 

 

Jahndenkmal auf der Hasenheide in Berlin

 

 

Friedrich Ludwig Jahn war ein höchst politischer Mensch. Er setzte der französischen Fremdherrschaft einen übermäßigen, verzweifelten Nationalismus entgegen, der sich aus der Sorge um den drohenden Verlust nationaler, volkstümlicher Werte speiste. Sein Ziel war es zunächst, einen Beitrag zur Befreiung Preußens von der Fremdherrschaft zu leisten. Im weiteren trat er für die Herstellung einer modernen nationalstaatlichen Einheit und die Erlangung des damals nicht gegebenen Mitspracherechts des Volkes ein. Nach der Niederlage Napoleons war eines der Ziele Jahns erreicht, jedoch war die Obrigkeit nicht bereit, dem Volk die geforderten Freiheiten zu geben.

Der Mensch Friedrich Ludwig Jahn und sein "Turnen" waren aber auch durch eine sozialrevolutionäre Einstellung geprägt. Diese bedingte, dass es innerhalb der Turner keine Standesunterschiede gab: Handwerker, Taglöhner, Bürger und Akademiker standen am Turnboden gleichberechtigt nebeneinander. Sie wurden nicht mit Titeln angesprochen sondern mit der Anrede "Turnbruder" und "Turnschwester". Es gab eine einheitliche Turnkleidung; der Turnergruß lautete "Gut Heil". Diese Elemente sind auch heute noch in den Leitsätzen des Österreichischen Turnerbundes (ÖTB) festgelegt.

 

PDF Leitsatz 10 des ÖTB als PDF ansehen/herunterladen

 

Friedrich Ludwig Jahns Ideen verbreiteten sich von Preußen aus auch unter der deutschen Bevölkerung der Donaumonarchie. Die Herrscher, voran der österreichische Staatskanzler Fürst Metternich, erachteten die Ideen Jahns und des Turnens als für ihre Interessen gefährlich. Das Turnen wurde mit der "Turnsperre" belegt. Friedrich Ludwig Jahn wird als ein dem Regime gefährlicher Revolutionär verhaftet und auf mehr als zwei Jahrzehnte "mundtot" gemacht. Im März 1848 kommt es zum Aufstand der Unterdrückten, an ihrer Spitze mit dabei die Turner. Die Revolution in Wien wird im Oktober 1848 durch die kaiserlichen Truppen niedergeschlagen, aber die Fortentwicklung ist von den absolutistischen Herrschern nicht mehr aufzuhalten. Das Oktoberdiplom 1860 bringt schließlich die Grundzüge einer neuen Verfassung, sowie weitere bürgerliche Rechte, unter anderem die Erlaubnis zur Gründung von Vereinen. Damit beginnt die Massenverbreitung des Turnens in Österreich.

 

Mitglied in einem Turnverein zu sein, bedeutete zu jener Zeit mehr als nur "Leibesübungen zu treiben". Es bedeutete gleichzeitig gesellschaftspolitisch für die Ausweitung der Grundrechte einzutreten und sich im Vielvölkerstaat der Monarchie zum deutschen Volkstum zu bekennen.

 

 

Das Turnen wurde aber sehr bald in einen Sog parteipolitischer und religiöser Bestrebungen gezogen. Gerhörten ursprünglich alle Turnvereine, auch die österreichischen der 1868 in Weimar gegründeten Deutschen Turnerschaft an, kommt es in der Folge zu Absplitterungen und Aufspaltungen. So entstehen der Deutsche Arbeiter-Turn- und Sportbund 1893 und der Reichsverband Christlich Deutscher Turnervereine Österreichs 1914. Nach dem ersten Weltkrieg kam es zu einer weiteren Verschärfung der gesellschaftspolitischen Spannungen auch unter den Turnern. Neben dem Deutschen Turnerbund 1919 bestanden noch der Deutsche Arbeiter Turn- und Sportbund (Arbeitsgemeinschaft für Sport und Körperkultur Österreichs (ASKÖ) sowie der Reichsverband Christlich Deutscher Turnvereine Österreichs.

 

Nach dem zweiten Weltkrieg nehmen führende Vertreter des früheren Deutschen Turnerbundes 1919 erstmals Verbindung untereinander auf, um die alten Traditionsvereine wiederzubeleben. Theoretisch konnten die Vereine ihre Tätigkeit bereits 1947 wiederaufnehmen, aber ihr Besitz befand sich weitgehend in fremden Händen. Ab 1948 beginnt der sogenannte "Siebenerausschuss", später zum "Neunerausschuss" erweitert, mit der Arbeit, den Turnvereinen wieder zu ihrem Eigentum zu verhelfen. In einem zähen Rechtsstreit gelingt es allmählich, entzogenes Vermögen wieder den Vereinen zuzuführen. Zuweilen dauert es zwar viele Jahre, aber es werden in beharrlicher Arbeit die Grundlagen für eine Verbandsgründung geschaffen.

 

 

Im Jahre 1951 gibt es bereits viele Einzelpersonen und Vereine, die als "Allgemeine Turnvereine" miteinander Kontakt aufnehmen, mit dem Ziel eines Zusammenschlusses zu einem neuen Turnerbund. Als Sitz wird das in der "Westzone" liegende Linz gewählt. Die Satzungen werden am 8. Mai 1952 genehmigt. Am 6. Juli 1952 finden das erste Verbandsturnfest des Allgemeinen Turnverbandes Oberösterreich und die Gründung des Österreichischen Turnerbundes (ÖTB) in Wels im Pollheimer Schlößl statt. Ein neuer Anfang für das Turnen in Österreich ist gesetzt.

 

Quellen:

Festschrift anlässlich der Feier des 50 jährigen Bestandes des ÖTB 1952 - 2002
Herbert Polesny, Friedrich Ludwig Jahn, Mensch und Werk, 1981, Eckartschriften Heft 78
Werner Pfannhauser, Friedrich Ludwig Jahn, Vorbild und Vordenker, 2008, Eckartschriften Heft 191

 

Weiterführendes:

Weiterführende Informationen zum Österreichischen Turnerbund (ÖTB) und zum Jahnschen Turnen finden sich auf der Internetseite des ÖTB: http://www.oetb.at/index.php?id=25

Weiterführende Informationen zu Friedrich Ludwig Jahn finden sich auf der Internetseite des

Jahnmuseums in Freyburg/ Unstrut: http://www.jahn-museum.de/

Überarbeitet am 24. Oktober 2008

 

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